Samstag, 4. April 2015

Rebecca. Buch und Film

RebeccaDie namenlose Protagonistin in Rebecca heiratet den wohlhabenden Witwer Maxim de Winter, nachdem sich die beiden in Monte Carlo im Urlaub kennen gelernt haben. Als sie auf sein Anwesen Manderley heimkehren, wird schnell klar, dass einiges von der noch sehr jungen und unselbständigen Frau erwartet wird: Überall vergleicht man sie mit der ersten Mrs. de Winter, Rebecca. Ihre Spuren finden sich noch überall in Manderley; sie scheint unerreichbar an Schönheit, Witz und Glamour.

Das war mein Wissensstand, als ich den Roman begann, und mehr sollte man auch gar nicht wissen. Und ich kannte natürlich den berühmten ersten Satz: "Last night I dreamt I went to Manderley again." Die Geschichte wird aus der Rückschau erzählt und ich hatte zugegeben etwas Schwierigkeiten, in diesen ersten Seiten, in denen Manderley wie ein düsteres Traumgebilde beschrieben wird, in die Geschichte zu kommen.

Aber nach vier oder fünf Seiten beginnt die Geschichte von vorne, in Monte Carlo, und ich war sofort hin und weg von den Charakteren. Ein unglaublich cleverer und psychologisch tiefgehender Roman entfaltet sich. Lange hatte ich keine Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte überhaupt entwickeln würde. Denn eines ist klar: Manderley ist ein geheimnisumwobener Ort.

Ich sehe, dass einige das Buch als Romanze anpreisen. Dem stimme ich nicht zu. Das ist nicht der Fokus der Geschichte. Der liegt bei dem jungen Mädchen, das plötzlich in ein anderes Leben geworfen wird und eigentlich nur versucht, eine gute Ehefrau zu sein, aber nicht so recht weiß, wo anfangen. Durch die Retrospektive der Erzählung entsteht eine düstere Atmosphäre, man weiß, etwas wird passieren, hat aber nicht den leisesten Schimmer, was.

Vom Buch war ich ganz begeistert und bin froh, es während eines Lesemarathons gelesen zu haben. Weggesaugt hätte ich es auch so. Ich weiß jetzt schon, dass ich Rebecca irgendwann noch mal lesen werde. Und definitiv auch mehr von Daphne du Mauriers Werk lesen will!


Rebecca 1940 film poster.jpg
Rebecca Filmplakat *
Der Film: Rebecca (1940)
Wenn bei der Regie Alfred Hitchcock zu lesen ist, erwartet man einen Film voller düsterer Spannung, Verdächtiger, falscher Fährten und einem kurzen Auftritt des Meisters selbst.

Rebecca ist die erste Hollywood-Produktion Hitchcocks, aber absichtlich in Schwarz-weiß gedreht, der finsteren Atmosphäre halber.

Bei allen Tonfilmen Hitchcocks, die ich bis jetzt gesehen habe (ca. 16), stelle ich immer wieder erstaunt fest, wie modern sie aussehen. Langeweile kommt da eigentlich nie auf, Hitchcock hat aus der Technik rausgeholt, was möglich war.

Der Story bleibt der Film größtenteils treu, doch die wenigen geänderten Details (die teils eindeutig Selbstzensur darstellen, gemäß der Überlegung, was auf einer Filmleinwand unschicklich ist) haben mir ein wenig den Spaß am Film verdorben. Auch, dass Laurence Olivier als Starbesetzung deutlich mehr Auftritte bekommt als im Buch und dagegen die eigentliche Figur manhmal ein wenig in den Hintergrund gedrängt wird, hat mich gestört.

Insgesamt hatte ich deutlich den Eindruck, dass Hitchcock mit dem größten Teil der Geschichte nicht ganz wusste, was er damit anfangen soll; erst gegen Ende ist er wieder in seinem Milieu und dann kommt auch der ganze Film deutlich in Schwung. Vorher wurden noch zwischen den Szenenwechseln unbeholfen kurze Aufnahmen von Meereswellen eingeblendet (Manderley liegt am Meer), die ich eher seltsam fand, wenn ich sie auch, da ich die Geschichte kannte, verstand.

Fazit: Das Buch gewinnt haushoch! Ich sehe, was Hitchcock daran fasziniert hat und man kann nicht sagen, er hätte sich keine Mühe gegeben, aber eine so dichte Atmosphäre zu transportieren ist bei der Steilvorlage einfach zu viel gewesen. Dass der Film nichts taugt, wie Ariana mich zu warnen versuchte (ihre Rezension findet ihr hier), finde ich allerdings nicht. Gegen das Buch hat er aber eindeutig keine Chance.

(Den Cameoauftritt von Hitchcock habe ich übrigens verpasst, aber es gibt wohl einen sehr kurzen. Ich verrate ihn nicht; ist doch immer am lustigsten, wenn man das alleine herausfindet.)

*Licensed under Fair use via Wikipedia.

Kommentare:

  1. „Rebecca" habe ich jetzt auch endlich aus der Bücherei ausgeliehen und bei mir Zuhause rumliegen. Mal sehen, wann ich dazu komme, das Buch zu lesen. Nach dieser Rezension bin ich stark am Überlegen, ob ich es nicht doch jetzt schon lesen soll.

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  2. Soweit ich weiß, hat Hitchcock das Buch nie gelesen, sondern "nur" das Drehbuch, (vage Erinnerung aus einem Sachbuch über Hitchcocks Werk) und hatte das Angebot vor allem angenommen, weil es eben Hollywood war und somit eine Chance eine Fuß in diesen Filmbetrieb zu bekommen.

    Auf jeden Fall ist es schön, dass dich "Rebecca" als Roman so begeistert hat - und nein, für mich ist es auch keine Romance, sondern eher eine Geschichte über das Erwachsenwerden einer jungen Frau.

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    1. Oje, das erklärt es vielleicht.

      Rebecca war das Highlight in diesem Winter und wird schwer zu überbieten sein!

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  3. Das Buch liebe ich auch! Verfilmungen kenne ich ein paar, aber wirklich überzeugt hat mich keine. Wenn ich mich recht erinnere, hat mir aber die Version von 1979 noch am besten gefallen, während ich die von Hitchcock gar nicht mochte.
    Aber das Musical war abgesehen von einer brillanten Mrs Danvers auch ein ziemlicher Reinfall.

    Ich denke, dass das Buch einfach schwer umzusetzen ist, weil es so viel um die innere Entwicklung geht.
    Früher habe ich es übrigens aufgrund der Parallelen mit Jane Eyre durcheinander gebracht. Davon hatte ich schon sehr früh eine Verfilmung gesehen, und als ich dann Rebecca gelesen habe, dachte ich mir auf einmal "Moment, ich dachte, die Ehefrau ist in einen Turm weggesperrt". ;-)

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  4. Bore da, Cat.
    Es dürfte etwa der erste Film von Hitchcock gewesen sein, den ich in meiner Kindheit zu sehen bekam; im Original, weswegen mir in der Hauptsache die Bilder in den Sinn gegangen sind.
    Hitchcock selber hatte zuerst ein Drehbuch vorgelegt, das sich nur lose mit der Vorlage in Verbindung bringen ließ. Zum Ärger von David O. Selznick, denn der verlangte von ihm eine werktreue Adaption. Weil er es sich nicht sofort mit Hollywood verscherzen wollte, ging der Egomane widerwillig darauf ein. So besehen trägt 'Rebecca' am wenigsten die Handschrift des Engländers.

    bonté

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  5. Schön, dass dir das Buch so gut gefallen hat. Und immerhin hast du auch dem Film noch einiges abgewinnen können, der mich ja wirklich sehr enttäuscht hat. Wenn ich lese, was die Winterkatze zum Film schreibt, versöhnt mich das ein bisschen mit Hitchcock - ich müsste mich also offensichtlich über den Drehbuchautor ärgern, nicht über den Regisseur. ;-)

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    1. Ach, man sollte alle Kommentare lesen ... RoM schreibt ja auch was zum Drehbuch ... Als "werkgetreu" würde ich jedenfalls auch die Version nicht bezeichnen, die dann letztendlich rauskam.

      Wie auch immer: Wir sind uns ja zumindest darin einig, dass das Buch um Längen besser ist als der Film. :-)

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